Rainer Maria Rilke / Lou Andreas-Salomé.

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immer wieder alle Kunst aufgefaBt als dasjenige, wor- auf die Dinge warten, um an ihr „fertig zu werden“, wahrhaftiger „wirklich“ zu werden, als sie sonst sind. (1898: „Die Kunst ist der dunkle Wunsch aller Dinge. Sie wollen alle Bilder unserer Geheimnisse sein. — -Verschwiegen und verratend zugleich. - Tiefe, vom Kiinstler selbst nicht erkannte Zusammen- hange schlieBen sie test aneinander. Sie sind einander ahnlich geworden.“) Jetzt und in dem MaBe, wie ihm seine Leiblichkeit das innere Erleben verschlug, ge- wann kiinstlerisch Angeschautes eine Leibhaftigkeit (iber die der Kunst hinaus, strahlte an einem Punkt unter den Dingen auf in mehr als irdischem Licht. Und langsam erstrahlt der Engel. Der Welt Fiille und Helle begann sich daran zu verdachtigen, daB dem alltaglichen Blick gerade dort nur Dunkel und Undurchsichtigkeit sich zeigt: „Und ob uns diese heitern Monde auch die reinste Weltsonne widerstrahlen, es war doch vielleicht ihre immer abgekehrte Seite, durch die wir mit dem uli¬ en dlichen Raum dahinter in Beziehung standen“, - schrieb er 1919 aus seiner letzten Wohnung in Deutschland (AinmillerstraBe, Miinchen, im Januar), wo er mich nochmals zu einem gemeinschaftlichen Winter erwartete. Dieser leise Zug zum Entirdischen dessen, dem er zuschritt, dies Ergebnis des Nichteinvernehmens sei-